Iserlauf 2019 – der Zwanzigste

Iserlauf 2019 – der Zwanzigste

Vor knapp einem Jahr berichtete ich über das Erlebnis Jizerska Padesadka – Iserlauf 50km klassisch. Das möchte ich gern wieder tun, ich bin Traditionsmensch – also werde ich das mal beibehalten und so insbesondere bei OSEE Sports eine Lanze für den Langlauf als Trainingsergänzung für die Wintersaison zu brechen. Hat ja schließlich auch mit Outdoor zu tun… Und genau wie beim Cross-Triathlon ist das Ergebnis abhängig von der Physis, der Taktik, der Lauftechnik und auch vom Material. Wobei der Materialfrage im Vorfeld dank der Sportindustrie ein übertrieben hoher Stellenwert zugeschrieben wird. Aber das merken die meisten erst, wenn sie am Berg trotz ausgeklügeltem Fell- oder Zero-Ski, Super-Schuppe, sauteurem Gleitwachs und Wunderklister trotzdem am liebsten abschnallen würden. Richtig ist, dass man von Wachs und Co schon etwas Ahnung haben sollte. Aber richtig ist auch, dass am Ende das zählt, was man in Armen und Beinen hat. Mental sollte man auch was aushalten können…
Nun also für mich zum 20. Mal, wenn man die ausgefallenen Rennen mitzählt zum 22. Mal – Iserlauf – der ultimative jährliche Gradmesser des körperlichen Verfalls 😉. Bzw. Motivator, sich nicht kampflos zu ergeben… Der Iserlauf ist aber immer wieder auch ein spektakuläres Sport- und Naturerlebnis, ein Klassiker, fast ein Nationalheiligtum der Tschechen. Und das spürt man.
2018 war ich mit Nachbar Claudius unterwegs, dieses Jahr gesellte sich Friebo der alte Haudegen nach zig Jahren Abstinenz (vom Iserlauf) sowie Rookie Ronny Helbig. dazu. Da waren wir schon mal 3 O-SEE Sports-Leute im Team. Zählt man Tobias und Tino „Beule“ noch dazu, waren wir immerhin schon fünf. Aber im Gegensatz zu den beiden letztgenannten hatten wir wie 2018 schon vorab Basislager in Bedrichov bezogen. Für so eine Nummer ist das schon ein erheblicher Komfortgewinn, wenn man nach einer gemütlichen Hüttennacht und Frühstück 8.45 tiefenentspannt zum Start schlappen kann. Vorausgesetzt man weiß vorher, was man wachst. Friebo und Ronny vertrauten auf ihre Fellski und waren tiefenentspannt, Claudius und ich hatten ein Wachsproblem. Denn die Wetterbedingungen waren diffus angesagt: fette Plusgrade, gfs. Regen, Sturm usw. Am Vorabend hatten wir gehofft, dass der neu propagierte Klisterwachs VR62 die Rettung ist. Aber nach einem Testlauf merkten wir schnell – das wird nix (reimt sich auf Swix, muhaha). Also versuchten wir am Abend noch von besagten Swix-Spezialisten paar Tipps abzulauschen – aber die gaben sich extrem zugeknöpft und verwiesen auf die offizielle Info am Wettkampfmorgen. Und die besagte dann Klister silber und rot gemixt. Wurde dann auch so raufgepappt. Trotzdem, leichte Skepsis meinerseits…Und die war gar nicht so unangebracht. Denn nach ca. 3 km Bobbahnspur ab Start änderten sich die Schneeverhältnisse stetig, weil – es geht bergauf. Langanhaltend. Und je höher man kam, desto feinkörniger wurde der Schnee, oben war fast Pulverschnee, auch fing es an leicht zu schneien. Wehe man kam abseits der Spur… dann stand man sofort, als ob man Bremsklötzer untergeschnallt bekommen hat. Aber andererseits war der Stieg in der Spur auch nicht so umwerfend. Alles in allem – nach ca. 8 km hatte ich es ziemlich satt. Als dann Hänchen Gotti Junior mich dann noch mit der Bemerkung überholte, dass der auf der Startnummer stehende Klaus Schwager wohl einen Doppelgänger haben muss, war ich „übellaunig“. Sah also nicht so toll aus, wie ich da rumstocherte. Die Spitze saß. Aber manchmal braucht man solche Motivationssp(r)itzen halt. Denn von da an ging es besser. Lag aber vielleicht auch am Streckenprofil. Denn nachdem der Rozmezi (990m) erreicht ist, geht es in schneller Fahrt an den markanten Wegkreuzungen Cihadla und Knajpa, Kasarenska und U Studanky vorbei weiter nach Jizerka/Kleiniser, danach zurück zum Smedava/Wittighaus, um dort dann den Superanstieg zurück auf den Kamm zu bewältigen. Da hab ich dann einige richtig leiden sehen. Inzwischen hatte ich mich mit der Klistermischung angefreundet bzw. es ist nun wärmer geworden und hatte wieder komfortablen Abdruck, konnte nun ordentlich Boden gutmachen, welchen ich anfangs eingebüßt hatte. Und so ordnete ich mich dann bis ins Ziel gut in die Expresszugreihen der Schieber ein ohne weiter durchgereicht zu werden. Trotzdem, im Ziel traute mich kaum auf die Uhr zu schauen. Aber die verkündete 3:25 h – alles gut, sogar 5 Minuten schneller als 2018. Damit hatte ich echt nicht gerechnet, nach den „versemmelten“ ersten 10 Kilometern. Also dem Verfall wieder ein Jahr erfolgreich getrotzt. Nun gut, wenn ich mir die Zeiten der echten Könner vom Bertsdorfer SV, PSV etc. angucke so ist da noch Luft nach oben. Aber nicht mehr in diesem Leben. Gelernt ist eben gelernt. Und was Hänschen nicht lernt … egal. Nun also fix umgezogen und dann auf die anderen warten, die nach und nach eintrudeln. Gespannt war ich auf die Erfahrungen der Fellskispezialisten. Aber die waren ganz schön geerdet. Mit den Bedingungen waren die Superwaffen auch überfordert. Und so ruderte man am Berg auch ganz gewaltig. O-Ton Friebo: Meinen Stieg habe ich im Startgarten abgegeben…“ Aber abgehakt. Alle im Ziel, alle lächeln, alle stolz. Logisch dass danach das edle Bier aus der Cvikover Brauerei geschmeckt hat. Und für 2020 haben wir schon mal alles klargemacht, 9.2.2020.

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